Wo die IT-Trends hinführen
Der Wandel als ständiger Begleiter
Der Markt hat sich nach der Finanz- und Wirtschaftskrise in 2010 schneller erholt als erwartet. Vor allem der Export hat zu dieser Entwicklung beigetragen. Für 2011 gehen die Wirtschaftsweisen von einem Wachstum um 2% aus. Anders in den meisten EU-Ländern und in den USA: Dort sieht die wirtschaftliche Situation weiterhin trübe aus. Staaten wie Griechenland, Irland, Portugal, Spanien und Italien gelten sogar als bankrottgefährdet. Selbst in Deutschland, das innerhalb der EU am schnellsten in den Tritt gekommen ist, steigt die Verschuldung der öffentlichen Haushalte dramatisch. Sie hat bereits die 1,8 Billionen Euro-Schwelle überschritten. Dies alles setzt den Euro stark unter Druck, so stark, dass er selbst gegenüber dem schwachen US-Dollar in 2010 an Wert eingebüßt hat und wahrscheinlich in 2011 weiter einbüßen wird.
Die Ausgangslage, die sich daraus für deutsche Unternehmen ergibt, ist zweigeteilt: Sie müssen einerseits verstärkt in IT investieren, um hinreichend am kurzzeitigen Wachstum im deutschen Markt, vor allem durch den Export von Gütern, zu partizipieren. Andererseits können sie bei ihren Investitionen in IT und IT-Personal nicht von einer längeren Markterholung ausgehen. Zu groß sind die Gefahren, dass durch steigende Staatsschulden, Euro-Entwertung und überhitzte Finanzmärkte auch der deutsche Markt wieder einen Dämpfer erhält. Die Unternehmen können ihre Investitionen somit nur kurzfristig planen, eben weil eine mittelfristige Marktentwicklung für sie nicht absehbar ist. So gehen Insider von immer kurzfristigeren Ups and Downs an den Finanzmärkten und im Markt aus.
Angesichts dieser Ausgangssituation werden deutsche Unternehmen auch in 2011 auf eine schnelle Rentabilität ihrer IT-Investitionen achten. Die Ausnahmen werden die Investitionen bilden, die auf eine Verschlankung und Flexibilisierung der Organisation durch eine weitgehende Automatisierung von administrativen, Betriebs- und Geschäftsprozessen abzielen. Denn sie bringen den Unternehmen in jeder wirtschaftlichen Situation Einsparungen ein und steigern ihre Fähigkeit, flexibel auf organisatorische und Marktveränderungen zu reagieren. "In dieses Muster passt auch IT-Outsourcing", ist Philipp Behr, Managing Director Outsourcing bei Logica in Deutschland, überzeugt. Er listet die wichtigsten Gründe auf, die nach seiner Einschätzung eindeutig für IT-Outsourcing sprechen. "Wir sehen nach wie vor, dass Kostensenkung und Kostenflexibilisierung wichtige Entscheidungskriterien für unsere Kunden sind. In den letzten Jahren hat sich jedoch zunehmend gezeigt, dass professionelle IT-Serviceanbieter der Anforderung nach Innovation und Modernisierung der IT-Landschaft besser nachkommen, als dies im Eigenbetrieb möglich ist. Darüber hinaus werden durch Outsourcing deutliche Steigerungen bei Servicequalität und -sicherheit erreicht. Ein weiteres wichtiges Kriterium sei die Transparenz im IT-Outsourcing-Betrieb, sowohl im Hinblick auf die Kosten als auch auf die erreichte Servicequalität. "Dies verhilft vielen Unternehmen dazu, Organisations- und Marktveränderungen flexibler und schneller zu meistern sowie gegen interne Widerstände besser durchzusetzen", sagt Behr.
Der Branchenverband BITKOM gibt seiner Einschätzung recht. Er hatte bereits 2010 IT-Outsourcing als klaren Trend für Unternehmen herausgestellt, nachdem er herausgefunden hatte, dass 39% der Befragten strategisches IT-Outsourcing präferierten. Daran dürfte sich in 2011 wenig ändern. Behr: "Daten, Fachwissen, Hard- und Software werden vermehrt ausgelagert werden, um sie nach Bedarf abzurufen und dafür nicht mehr als notwendig zu bezahlen."
Zumal den Unternehmen weitere Entwicklungen wie eine ausgereifte Middleware zu pass kommen. Sie wird von ihnen wie den Outsourcern gleichermaßen gebraucht, um eine Service-Orientierte Architektur (SOA) zu errichten. Aus ihr heraus können Geschäftsprozesse optimal durch IT-Services nach Maß gestützt und bei Bedarf flexibel umformiert werden. Dabei wächst die Neigung der Unternehmen und Outsourcer, sich bei der Ausgestaltung Open Source Software (OSS) zu bedienen. Denn so können sie sich aus der Klammer, Produkt- und Preisabhängigkeit proprietärer Middleware-Architekturen lösen. Die JBoss Enterprise Middleware von Red Hat ist ein gutes Beispiel für eine wirklich standardisierte Middleware-Architektur, mit offenen Schnittstellen und frei zugänglichem Programmier-Quellcode. "Um JBoss Enterprise herum bietet Red Hat ein komplettes Support-Programm", informiert Jan Wildeboer, EMEA Evangelist bei Red Hat in Deutschland. "Darüber erhalten unsere Premier Partner Zugang zu neuen Open-Source-Middleware-Technologien, um sie in Form maßgeschneiderter Lösungen um- und einzusetzen." Premier Partner entspricht der höchsten Stufe innerhalb des Red Hat-Partnerprogramms. "Sie setzt auf Seiten unserer Partner zahlreiche erfolgreiche Implementierungen unternehmenskritischer Applikationen in Verbindung mit Open Source-Middleware-Systemen voraus", beschreibt Wildeboer.
Logica ist ein solcher Premier Partner. Er hat sich aufgrund seiner Expertisen für die höchste Stufe empfohlen. Zu den Referenzen gehören eine Vielzahl erfolgreich abgeschlossener JBoss-Projekte in Unternehmen unterschiedlicher Größen und Branchen. Logica hat das hohe Niveau seiner Qualifikationen und Leistungen – von der Beratung über die Systemintegration bis hin zum Outsourcing – als Red Hat Global System Integrator (SI)-Partner bereits mehrfach auf globaler Tribüne unter Beweis gestellt.
Nach Dr. Jörg Fischer, Leiter für Strategische Geschäftsentwicklung bei der Enterprise Market Group von Alcatel-Lucent in Deutschland, steht die ITK am Anfang eines gravierenden Wandels. "Er wird erhebliche Auswirkungen auf die ITK-Dienste sowie die Absatzmärkte und Geschäftsstrategien der Unternehmen haben." Seine Einschätzungen werden gestützt durch die 199-Seiten starke Studie >Das wirtschaftliche Potenzial des Internet der Dienste<, die im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie unter Konsortialführerschaft der Berlecon Research erstellt wurde. "Im künftigen Internet werden Dienste und Funktionen als fein granulare Softwarekomponenten dargestellt werden. Sie werden von Providern in jeglicher Form, darunter Unternehmen als Produktanbieter, via Internet bereitgestellt werden", sieht Fischer voraus. Dieser Wandel werde mit einer Standardisierung, Modularisierung und Automatisierung von Diensten zur Abwicklung geschäftlicher Prozesse und Tätigkeiten einhergehen. "Die wirtschaftlichen Aktivitäten werden zudem via Internet zwischen vielen Unternehmen noch stärker als heute vernetzt ablaufen, um so gemeinsam in einem immer kurzlebigeren Markt gezielt, schnell und kostensparend mit wettbewerbsfähigen Produkten reüssieren zu können", führt er aus.
Das Internet der Dienste wird nach Fischer auch mittelständische, selbst kleine Unternehmen erfassen. "So wird das effektive und effiziente Dienstprinzip via Internet sogar in kleinste Marktnischen hineinwirken. Außerdem werden sich viele mittelständische und kleine Unternehmen in komplexe Wertschöpfungsketten einfügen müssen, um im Markt bestehen zu können", prophezeit Fischer. Angesichts dieses anstehenden, gravierendes Wandels werde die Qualität von Managed Services einen extrem hohen Stellenwert erlangen, ist er überzeugt. "Immerhin werden von dieser Qualität stark vernetzte, automatisierte Geschäftsprozesse und damit im hohen Maß das Geschäft aller beteiligten Unternehmen abhängen", erklärt er. "Geschäftspartnerschaften mit ihren Kompetenzen und Ressourcen werden aufgrund eines immer schnelllebigeren Marktes immer kürzer Bestand haben, eben weil sich die Marktanforderungen permanent ändern werden", so Fischer weiter. Auch mit diesem immer wiederkehrenden organisatorischen Wandel müssten künftig das Internet-Dienstportfolio, passgenau dazu die Managed Services – ob durch Provider oder die Unternehmen selbst erbracht - in hoher Ausführungsqualität und Verlässlichkeit Schritt halten.
Eines steht angesichts des organisatorischen und technischen Wandels sowie einer wachsenden Spezialisierung außer Frage: Die Unternehmen werden sich stärker als heute um die Ausbildung ihrer Experten, allen voran der IT-Spezialisten, kümmern müssen. Selbst wenn sie outsourcen, müssen sie für die IT-Teile, die sie im eigenen Haus behalten, den Betrieb sicherstellen, außerdem die Qualität der bezogenen IT-Leistungen beurteilen und bei Bedarf gezielt eingreifen können. "Der enorme Fachkräftemangel wird in Deutschland aufgrund der demografischen Entwicklung weiter zunehmen", prophezeit Dr. Winfried Materna, Geschäftsführer von Materna. Die IT-Branche sei von diesem Mangel besonders stark betroffen. So gibt es nach dem Branchenverband BITKOM derzeit deutschlandweit rund 28.000 Stellen, die nicht mit IT-Experten besetzt werden können. "Diese Lücke einigermaßen zu schließen, kann nur gelingen, wenn die Unternehmen selbst aktiv werden und mehr in die Spezialisierung von IT-Fachkräften investieren. Dies trägt entscheidend dazu bei, den eigenen IT-Bedarf hinreichend decken zu können", unterstreicht der Geschäftsführer.
Beim Dortmunder IT-Dienstleister hat die Ausbildung angehender IT-Experten einen hohen Stellenwert. Das Unterstützungsprogramm ist breit gefächert: Kooperationen mit Schulen der Region, enge Zusammenarbeit mit Fachhochschulen und Universitäten der Region in Form dualer Studiengänge, interne Ausbildung in IT-Berufen, eigene Trainee-Programme sowie Mitarbeit im Dortmunder Modell (Do Mo) Mittelstandsstipendien. Materna sieht parallel die Politik gefordert, mit den Unternehmen gemeinsam neue Wege und Projekte einzuschlagen, um so schon bei den Jugendlichen die Begeisterung für IT-Berufe zu wecken. Sein Rat kommt nicht von ungefähr: "Das Interesse an IT-Berufen nimmt ab", sensibilisiert er. So entschlössen sich immer weniger junge Menschen für eine Informatikausbildung. Schon davor entschieden sich immer weniger Schüler für mathematische und naturwissenschaftliche Fächer. "Dies ist eine alarmierende Entwicklung, da die Bedeutung der IT für Unternehmen, ihre Geschäfte und ihre Organisation wächst und weiter wachsen wird", rüttelt er die Unternehmen und Politiker auf. Sein Unternehmen war aktiv am IT-Gipfel >Innovative IT-Angebote des Staates< der Bundesregierung beteiligt.
*Hadi Stiel ist freier Journalist in Bad Camberg. (had)
