Der Fluch der guten Tat
Ich weiß, man sollte nicht schlecht über die Computer-Anwender reden. Aber irgendwann platzt auch dem ruhigsten und nachsichtigsten Administrator der Kragen, wenn sich die "Benutzer" vorsätzlich dumm gegenüber jeder Computer-Technik verhalten.
Mit Benutzern meine ich damit nicht nur Menschen, die nicht im Bereich der IT arbeiten. Ich meine die Zeitgenossen die an den Computer auf dem Niveau eines durchschnittlichen 10-jährigen Kinds herangehen. Ich habe wenig Verständnis für diese Anwender und meine Beschwerde über diese Personengruppe dient der persönlichen Hygiene. In der Vergangenheit kategorisierte ich diese Menschen als "unbedarfte Benutzer". Jetzt bezeichne ich diese Leute nur noch als "DAUs (Dümmste Anzunehmende User) oder als LUser (In Anlehnung an das englische Wort "Looser").
Natürlich entbehren diese Bezeichnungen jede "Political Correctness". Diese Nutzerkategorie umfasst jedoch eine Vielzahl von Menschen, die einen Computer (meist ihr hauptsächliches Arbeitsgerät) mit weniger Geschick nutzen, als sie zum Anziehen eines Paars Socken aufwenden. Leider umfasst diese Kategorie auch meine Eltern, Tanten und Onkel und viele Freunde im Alter von 40+.
Ich will damit nicht sagen, dass die Leute die den "Any Key" noch immer suchen, bereits ausgestorben sind. Seien wir ehrlich, es gibt in dieser Altersgruppe nicht viele Menschen die wissen was sie mit einem Computer anfangen können und zumindest die grundsätzlichen Zusammenhänge verstehen.
Das Gemeinsame dieser Benutzergruppe besteht darin, dass diese sich strickt weigert, die menschliche Lernfähigkeit zu aktivieren. Obwohl sich diese Menschen als vollwertige Mitglieder der modernen Gesellschaft betrachten, besitzen sie PC-Kenntnisse auf dem Niveau eines Neandertalers. Dabei fühlen sie sich mit ihrer Verweigerungshaltung noch im Recht denn PC-Kenntnisse gelten als Zusatzwissen wie beispielsweise die Beherrschung der englischen Sprache oder das Kochen eines ausgefallenen Soufflés.
Die Messlatte ihrer eigenen Medienkompetenz wird von diesen Mitmenschen extrem tief gehängt. Daher müssen sie sich nicht mit der digitalen Welt auseinander setzen und bilden auch nicht die notwendigen Kompetenzen im Bereich der digitalen Welt aus. Diese Leute leben in einer merkwürdigen Welt und leben von der Hoffnung, dass das ganze digitale Chaos eines Tages so schnell wieder verschwindet, wie es über sie hereingebrochen ist. "Ohne Computer wäre die Welt weniger kompliziert", sagte vor kurzem ein Freund zu mir und schob mir seinen alten Computer für eine Migration seiner Anwendungen auf seinen neuen Windows 7 Rechner herüber. Natürlich hatte ich an diesem Wochenende nichts anderes vor, als mich mit der Migration seiner elenden (und größtenteils raubkopierten) Sammlung von unsäglichen Anwendungen (meist beschisse Spiele) von der knarrenden Windows XP-Box auf seine brandneue Windows 7 Maschine zu übertragen. Als ich meinem Freund zu erklären versuchte, dass wahrscheinlich eine Vielzahl seiner Anwendungen auf seinem neuen Rechner nicht mehr vernünftig arbeiten würde, bezweifelte er ernstlich meine IT-Kompetenz.
Man sollte den Tag nicht vor dem Sonnenuntergang loben, denn es kam noch schlimmer. Ich versuchte meinen (noch) Freund zu erklären, dass ich nicht in der Lage sei, sein Computerchaos innerhalb kurzer Zeit zu beseitigen und es hilfreich wäre, wenn er von Zeit zu Zeit die Handbücher lesen würde.
Mein (zu diesem Zeitpunkt schon) Exfreund ließ mich wissen, dass ich damit bewiesen hätte, dass ich kein Computerexperte, sondern auch nur so ein IT-Aufschneider sei, wie er viele aus seinem Unternehmen kenne.
Wie oft haben unsere Freunde oder Verwandten uns in Notlagen angerufen, damit wir ihre Computer-Probleme sofort lösen? Wären wir Automechaniker oder Zahnarzt würden sie nicht erwarten, dass wir unsere Arbeit sofort wegen ihres Problems fallen lassen würden. Sie würden geduldig warten bis wir für ihr Problem die adäquate Zeit fänden. Darüber hinaus würden sie nicht erwarten, dass wir mit magischen Kräften ihr digitales Chaos wieder in Griff bekommen würden. Außerdem würden sie nicht bei uns anrufen, wenn sie sich nicht erinnern könnten, wie man den Blinker eines Autos benutzen soll oder vergessen haben, wie man Zahnpasta auf die Zahnbürste drückt. Natürlich nicht!
Das schlimmste an den digital unbeleckten Menschen – unseren nahestehenden Freunde und unsere liebsten Verwandten – ist, dass diese unseren Langmut unendlich ausnutzen und selbstverständlich erwarten, dass wir immer zur Verfügung stehen.
Was werde ich das nächste Mal machen, wenn wieder einer dieser Benutzer mich um Hilfe bei der Behebung eines seiner Probleme fragt? Ich werde ihm natürlich wieder helfen, so wie es in der IT üblich ist! (mat)
