Über die Eigenkapitalquote
Gerade in wirtschaftlich turbulenten Zeiten wird auf das Eigenkapital bzw. auf die Eigenkapitalquote sehr viel Wert gelegt.
Das Eigenkapital ist definitionsgemäß die Differenz zwischen Vermögen und Schulden. Wenn das Vermögen eines Unternehmens lediglich aus einem z.B. Server im Wert von EUR 20.000,00 besteht und dieser ist zu EUR 15.000,00 kreditfinanziert, beträgt das Eigenkapital EUR 5.000,00. Die Eigenkapitalquote ist das Verhältnis von Eigenkapital zu Gesamtkapital, das ist Eigen- und Fremdkapital, in obigem Fall also 25 %. Je höher die Eigenkapitalquote eines Unternehmens ist, desto sicherer kann ein Unternehmen wirtschaftlich schwierige Zeiten überstehen. Die Abhängigkeit von Banken und Lieferanten ist niedriger. Verluste werden von Banken leichter finanziert. Das Unternehmen ist kurz gesagt krisenresistenter. Auch das Rating der Banken ist besser und durch die daraus resultierenden geringeren Zinsen steigt der Gewin
Im Bereich der Klein- und Mittelbetriebe ist folgendes Phänomen zu beobachten:
Kleinere und mittlere Unternehmen sind zumindest in Österreich, Deutschland und der Schweiz vorwiegend über Banken finanziert. Möglichkeiten Kapital an der Börse zu lukrieren oder Anleihen zu begeben, stehen Ihnen nicht offen. Private Investoren spielen keine große Rolle, da diesbezüglich die Tradition fehlt. Banken und auch offizielle Statistiken beklagen oft die geringe Eigenkapitalausstattung von Klein- und Mittelbetrieben. Klein-, werden also von den Banken finanziert, obwohl die Eigenkapitalausstattung schlecht ist. Daraus kann geschlossen werden, dass Banken bei Klein- und Mittelbetrieben sehr risikofreudig sind. Wer in letzter Zeit allerdings etwas mit Banken zu tun hatte, kann dies nur für einen Scherz halten.
Die Lösung dieses Phänomens ist vielmehr folgende:
Die Eigenkapitalausstattung der Klein- und Mittelbetriebe ist viel besser als in den Jahresabschlüssen dargestellt. Viele Klein- und Mittelbetriebe hätten ja ihre Bankdarlehen gar nicht bekommen, wenn nicht die Unternehmer ausreichend werthaltige Sicherheiten zur Verfügung gestellt hätten, wie hypothekarische Sicherheiten, Lebensversicherungen, Sparbücher etc. Einzelunternehmer und vollhaftende Gesellschafter von Personengesellschaften haften mit dem gesamten privaten Vermögen für ihre betrieblichen Schulden. Bei kleinen Kapitalgesellschaften ist die Situation nur theoretisch anders.
Dieses Faktum der nicht bilanzierten Sicherheiten wirkt sich doppelt negativ aus. Auf der einen Seite wird dieses private Vermögen bei einer Insolvenz des Unternehmens zur Schuldentilgung herangezogen, in guten Zeiten werden Sicherheiten im Rahmen der Bilanzanalyse nicht für die Berechnung der Eigenkapitalquote herangezogen. Darunter leidet das Rating und die zu bezahlenden Zinsen sind höher. Um die Eigenkapitalquote zu erhöhen, könnte daher ein privates Darlehen aufgenommen werden und als Gesellschafterdarlehen ins Unternehmen eingezahlt werden. Unter bestimmten Voraussetzungen wertet die Bank dieses Darlehen als Eigenkapital, das Rating wird besser und die Zinsen sinken. Aus dieser Maßnahme resultieren jedoch weitreichende Konsequenzen, sodass sie nicht uneingeschränkt empfohlen werden kann. Sie ist lediglich ein Lösungsansatz in einer an sich unbefriedigenden Situation.
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