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05.01.2012

Cloud Computing hat für Konsumenten auch Nachteile

Natürlich sollen Konsumenten so schnell wie möglich die diversen Cloud-Angebote nutzen! Natürlich sollen sich die Konsumenten nicht um das "Wie" und "Was" der Cloud scheren und schon gar keine Zweifel am Thema "Datensicherheit" aufkommen lassen. Die Cloud ist gut und alles hat hier seine Richtigkeit!

Wohin man sich im Internet auch wendet, die Cloud ist überall omnipräsent. Wer sich heute nicht mit der Cloud auseinander setzt, ist hoffnungslos veraltet und hat sich vom allgemeinen IT-Trend bereits abgekoppelt.....

Damit will ich nicht sagen, dass alle über die Cloud veröffentlichten Informationen auf einem Hype oder Marketingstrategien beruhen. Die Cloud bietet vor allem Vorteile für Unternehmen, die keine eigenen Infrastrukturen besitzen oder solche nicht selbst betreiben wollen. Aber für den normalen Anwender bietet die Cloud zu wenige nutzbringende Funktionen, um ihn überzeugen zu können, dass die Cloud das Maß aller Dinge darstellt.

Die "Wolke" bietet dem normalen Nutzer einige gewichtige Nachteile, die dem Kunden nicht vorenthalten werden sollte:

Einsperren in eine Produktphilosophie

Eines der nicht so geheimen Geheimnisse im Hightech-Land ist die Tatsache, dass die Cloud-Anbieter ihre Kunden in ihre Produktangebote einsperren wollen. Waschmittelhersteller, die uns mit markigen Werbesprüchen zum Kauf der "besten Seife" überreden wollen, haben keine Möglichkeiten, den Konsumenten nach der erstmaligen Nutzung des jeweiligen Produkts zum weiteren Kauf zu zwingen. Jeder Konsument kann jederzeit zu einem anderen Produkt greifen.

Dagegen sorgen alle Cloud-Anbieter dafür, dass der Kunde nach dem erstmaligen Gebrauch nur noch seine Dienste nutzen kann. Ein Wechsel auf einen anderen Cloud Provider geht aus technischen Gründen nicht – es sei denn, man fängt bei diesem ganz von Vorne an.

Natürlich wird es eines Tages passieren: Sie wollen Ihre in der Cloud abgelegten Daten von einem Cloud Service Anbieter zu einem anderen Cloud Provider umziehen. Dieser Umzug sollte natürlich problemlos funktionieren. Da bisher noch kein Standards für diese Umzugsprozesse zur Verfügung stehen, ist ein solcher Umzug in der Praxis nur mit viel Aufwand durchführbar. Portabilität ist ein grundsätzliches Problem für alle Cloud-Umgebungen, weil die Cloud Provider ihre gesamten Prozesse über eine Art von Hypervisor zur Verfügung stellen.

Bisher ist völlig offen, welche Standardisierungsgruppe die Definition von verbindlichen Normen für die Cloud übernimmt und welche Gruppe federführend die Hersteller und Anbieter von Cloud-Produkten und –Services einbindet. Beim Thema Cloud ist eine Standardisierung relativ kompliziert, da in diesem Bereich viele unterschiedliche Aspekte zu berücksichtigen sind. Bereits jetzt zeigt sich, dass viele Normungsgremien zu bestimmten Aspekten der Cloud mitreden bzw. die Federführung in der Normensetzung übernehmen wollen. Bekanntlich verderben zu viele Köche den Brei, daher ist es erforderlich, dass im Interesse der Kunden die Cloud-Standards aus Sicht der Anwender als auch der Cloud-Anbieter festgelegt werden.

Die Cloud-Dienste stehen kostenlos (oder zumindest unglaublich preiswert) zur Verfügung

Die Business-Version von Google Apps steht bereits für 50 $ pro Nutzer und Jahr zur Verfügung. Microsoft Online Services beginnen bei $ 120 pro Jahr, und beide Unternehmen bieten kostenlose Versionen für den Heimanwender.

Das klingt im ersten Moment konkurrenzlos günstig. Aber die Analysten weisen immer wieder darauf hin, dass die Lizenzierung nicht der einzige Kostenaspekt bei der Nutzung der Cloud-Services ist. Neben der hohen Anschlussbandbreite (erhöhte Zugangskosten) entstehen beim Einsatz von Cloud-Anwendungen immer wieder versteckte Prozesskosten. Diese resultieren aus dem Umstand, dass die Ausgaben für die Risikopräventionen beim Umzug von Anwendungen aus dem Enterprise Data Center in die Cloud zunehmen.

Es ist ein Irrtum, dass die Cloud Services preiswerter als der Betrieb der Anwendungen im Unternehmen sein werden. Da in diesem Bereich oft Äpfel mit Birnen verglichen werden, werden die wahren Gesamtkosten nicht erkannt.

Vor der Nutzung eines Cloud-Services sollten potenzielle Nutzer daher untersuchen, ob die Cloud überhaupt für den Betrieb einer bestimmten Anwendung geeignet ist, weil sich die meisten Cloud-Anbieter nicht an den Bedürfnissen ihrer Kunden orientieren. Jede Abweichung von der Standarddienstleistung lassen sich die Anbieter häufig  gesondert vergüten.

Das Ablegen von Daten in der Cloud bringt neue Sicherheits- und Prozessrisiken mit sich, deren Minimierung Zusatzkosten verursacht, die individuell kalkuliert werden müssen.

Das Problem mit dem Offline-Arbeiten

Ist ein normaler Nutzer nicht permanent online oder verfügt nicht über eine Internet-Verbindung, beginnen für ihn die Probleme mit der Cloud.  So ist beispielsweise das Bearbeiten von E-Mails, das Bearbeiten oder Verfassen von Dokumenten, das Aufrufen einer gesicherten Datei nicht möglich. Hierin liegt der bedeutendste Nachteil der Cloud.

Unsinn, heißt es von den Herstellern. Hat nicht kürzlich Google bekannt gegeben, dass man auch im Offline-Modus arbeiten kann? So ganz ernst hat man es bei dieser Ankündigung nicht gemeint. Google hat eine App zur Verfügung gestellt, über die der Nutzer seinGoogle Mail, den Google Kalender und die Google Docs im Offline-Modus ansehen kann. Von Bearbeiten hat allerdings niemand geredet. Diese Einschränkung stört weniger beim Nachschlagen im Kalender bringt aber große Nachteile bei der Bearbeitung von Dokumenten. Darüber hinaus steht die begrenzte Offline-Funktionalität nur Benutzern mit einem Google Chrome Browser zur Verfügung. Was Sie benutzen Firefox oder IE? Pech gehabt! Diese Einschränkung ist genau die Kundenbindung die ich bereits angesprochen habe. Wer sich nicht den Regeln des Herstellers unterwirft, bekommt einfach nicht die gewünschten Funktionen.

Google verspricht uns zwar, dass die Offline-Bearbeitung irgendwann einmal in der Zukunft eingeführt wird. Allerdings wird damit nicht automatisch das Lock-In-Problem gelöst, denn Google wird diese Funktion nur für Docs schaffen. Ich verwende beispielsweise Microsoft Office, Open Office und Google Docs, je nach Bedarf und Notwendigkeit meiner Kunden. Ich möchte dies auch in Zukunft so halten und will mir nicht von meinem Cloud-Anbieter vorschreiben lassen, wie ich meine Arbeiten auszuführen habe.

Selbst der optimistischste Befürworter des Cloud Computings wird heute nicht mehr behaupten, dass die angebotenen Cloud-Anwendungen dem Funktionsumfang und den Leistungsmerkmalen von Microsoft Office entsprechen. Somit werden in der Cloud kurzfristig nur komplementäre Dienste angeboten.

Microsoft benötigte 20 Jahre um das Office auf den heutigen Funktionsumfang zu bringen. Aus diesem Grund wird es auch einen längeren Zeitraum dauern, bis von den Wettbewerbsprodukten dessen Tiefe erreicht wird. Wunder werden auch in der Cloud nicht über Nacht geschehen.

Wenn die Lichter ausgehen

Die Anbieter von Cloud-Services erwecken den Eindruck, als ob die bereitgestellten Cloud-Plattformen eine quasi unendliche Skalierbarkeit bieten. In der Praxis erweist sich jedoch, dass mit der Zunahme des Verkehrs (Erhöhung der Anzahl paralleler Sessions) die Reaktionszeit der Cloud-Services abfällt. Die Unterstützung von einer unbegrenzten Anzahl an Nutzern wird somit durch eine kontinuierliche Leistungsminderung bezahlt.

Ein anderes Offline-Problem im Zusammenhang mit der Cloud sind Ausfälle. Damit ist genau das gemeint, nach dem es klingt: Der Cloud-Service steht aus irgendeinem Grund, welcher nichts mit dem Anwender zu tun hat, nicht zur Verfügung. Und da Google keine Unterstützung für seine kostenlosen Apps bietet, steht der Nutzer im Regen und kann sich bei einem Ausfall durch die Online-Foren wühlen und hoffen, dass die Probleme irgendwie von selbst verschwinden.

Will ich meinem Kunden erklären, dass er seinen Bericht nicht bekommen konnte, weil Google Docs gestern Abend inaktiv war, ist das genauso blöd wie der Schülerklassiker: "Mein Hund hat meine Hausaufgaben aufgefressen!"

Ausfälle treten häufiger auf. Google und Microsoft hatten beide in den vergangenen Wochen mit Cloud-Ausfällen zu kämpfen. Google Docs war für eine Stunde nicht zu erreichen und Microsoft Hotmail, Office 365 und SkyDrive waren drei Stunden lang offline. Das soll nicht pauschal heißen,  dass diese Cloud-Dienste von Natur aus unzuverlässig sind, aber in der "Wolke" muss man mit Ausfällen rechnen.

Cloud (Un-) Sicherheit

Wenn jemand anderes Zugriff auf Ihre Daten hat, dann ist das ein gewichtigeres Themen als partielle Ausfälle beim Zugriff auf die Cloud. Der Datenschutz und die Sicherheit haben bei der Auslagerung von persönlichen Daten in die Cloud einen hohen Stellenwert. Die Hacker sind aktiver denn je und selbst verantungsbewußte Unternehmen leiden unter den Angriffen und unbeabsichtigten Datenlecks. Viele der neuen Cloud-Anbieter müssen erst noch beweisen, dass ihre  Sicherheitsbekundungen auch das Papier wert sind, auf dem diese niedergeschrieben wurden.

Macht es Sinn, dass sich privaten Anwender mit der Cloud beschäftigen? Natürlich, denn jeder Nutzer erstickt inzwischen an den digitalen Datenmengen. Ein Backup in der Cloud – wenn die Daten vorher verschlüsselt wurden, macht Sinn. Natürlich besteht beim Ablegen der Daten in der Cloud immer ein potenzielles Sicherheitsrisiko, aber durch eine vernünftige Verschlüsselung, beispielsweise mit dem kostenlosen TrueCrypt, kann zumindest kein Fremder auf die Daten zugreifen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die in der Cloud abgelegten Daten entwendet werden ist sicher kleiner als das Scheitern beim Zugriff auf eine Backup-Festplatte.

Kollaboration ist ein weiteres Plus der Cloud. Inzwischen gibt es eine Reihe von kostenlosen bzw. preiswerten Cloud-Angeboten, die das Arbeiten in einer verteilten Arbeitsgruppe ermöglichen. Dokumente, Präsentationen oder Fotos können untereinander geteilt und bearbeitet werden.

Die Nutzer haben Zeit sich mit dem neuen Medium "Cloud" sorgsam auseinander zu setzen und es besteht keine Notwendigkeit , sich unbedacht dem  Cloud-Hype an zu schließen.   (mat)