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23.05.2012

Vom König zum Kostenfaktor

Die Kosten der Menschen in der IT ...

Zu Zeiten der Lochkarten, der geringen Speicher und der Computer, die einen ganzen Saal füllten, bestand der größte Teil der IT-Kosten aus der Beschaffung und den Betrieb des Mainframe-Rechners. Die Benutzer und auch die Unternehmensleitungen akzeptierten, dass neue Funktionen erst nach Monaten implementiert waren und nahmen alle Unwägbarkeiten des Betriebs ohne Murren hin. Man lebte noch sein Arbeitsleben im Einklang mit dem Mainframe und Klagen über den "schlechten Service" kamen so gut wie nie vor. Die Organisationsprogrammierer und Operateure waren die Könige im Unternehmen und die Benutzer akzeptierten ihr Schicksal.

Die "guten" alten Zeiten sind längst vorbei. Die Beschaffungskosten für die Rechner und die Software sind in den vergangenen 10 Jahren dramatisch gesunken. Die Unternehmen erhalten heute für ihr Geld (oder das ihrer Unternehmen) sehr viel mehr Rechenleistung pro Euro als zu früheren Zeiten. Inzwischen hat man auch verlernt, dass man auf richtig implementiert IT-Lösungen etwas länger warten muss. Mit viel Geld und den nötigen Standard-Lösungen lassen sich scheinbar alle IT-Probleme im Handumdrehen lösen. So sind es viele Anwender aus dem Home-Bereich gewohnt und eine ähnliche Vorgehensweise wird daher von den IT-Abteilungen ihrer Unternehmen erwartet. Damit wächst der Druck auf die IT, immer schnellere und leistungsfähige Lösungen auszurollen.

Darüber hinaus sind die CIOs in den Unternehmen gezwungen innerhalb kürzester Zeit preiswerte und zuverlässige Lösungen zu liefern. Der Druck auf die CIOs geht von den Geschäftsprozessen aus. Diese erfordern eine kontinuierliche Anpassung an die jeweiligen Märkte. Auf der Strecke bleiben bei diesen "schnellen" Lösungsansätzen meist der Support und die Pflege der vorhandenen Systeme. Auch sollte man bedenken, dass bereits ein großer Teil der "Baby-Boomer-Generation" in den Frühruhestand oder in die Arbeits- (Chancen-)losigkeit abgewandert sind. Mit dieser Generation haben gleichzeitig auch viele wichtige Kenntnisse über die bestehenden Systeme und Geschäftsprozesse die Unternehmen verlassen.

Auch wenn man von Seiten der Unternehmensführung den Druck zum Sparen auf die IT-Abteilungen noch weiter erhöht, kann der bestehenden Personalbestand, nicht noch weiter reduziert werden, da vielerorts bereits die Schmerzgrenze drastisch unterschritten ist und viele IT-Abteilungen nur noch in der Lage sind zu reagieren. In der Theorie stellt sich der Arbeitsalltag der IT rosig (wenig Arbeit und dazu noch hoch bezahlt) dar. In der Praxis muss die IT-Abteilung den Spagat zwischen den Zukunftsanforderungen und der Systempflege der vorhandenen "alten" (Englisch: Legacy) Systemen in Einklang bringen. Hierbei gilt es zu bedenken, dass ein Rechnersystem an dem Tag an dem es in Betrieb geht zu den Legacy-Systemen gehört. Darüber hinaus muss sich die IT permanent mit den sich verändernden Geschäftsprozessen befassen, um ihren Unternehmen die Grundlage für strategische Wettbewerbsvorteile zu liefern.

IT ist nur als Kostenfaktor

Warren Buffett definiert der Unterschied zwischen Erfolg und Glück wie folgt: "Erfolg besteht darin, dass man das Erwünschte auch bekommt. Dagegen findet man sein persönliches Glück nur in den Dingen über die man bereits verfügt!". Wendet man diesen Spruch auf die Unternehmens-IT an, dann muss man die Benutzer und Unternehmensführungen manchmal fragen, was diese eigentlich wollen? Erfolg oder Glück? Sie erhalten in der Regel von den IT-Abteilungen alle für ihre Arbeit notwendigen Werkzeuge und leiden keinen Mangel. Die Wahrnehmung des Selbstverständlichen scheint jedoch durch eine gewisse Nähe, die eine Sichtbehinderung hervorruft, getrübt.

Das oftmals von den Unternehmensleitungen übersehene Dilemma besteht darin, dass man durch zu restriktive Ausgabenbeschränkungen und durch Druck immer zuerst die Wissensträger des Unternehmens verliert. Entweder wandern diese zur Konkurrenz ab, oder verabschieden sich in einen hoffentlich geruhsamen Lebensabend. Da einige dieser Mitarbeiter bereits seit Jahren dem Unternehmen angehören, verfügen diese neben ihrem IT-Wissen über ein nicht zu messendes Verständnis der internen Geschäftsprozesse. Dieses Wissen ist mit Geld nicht zu bezahlen und diese Kompetenzen sind am Markt nirgendwo zu finden.

Die in der Geschäftswelt heute übliche Reduktion der Menschen auf Kostenstellen berücksichtigt diese "weichen" Faktoren jedoch nicht. Es zählen die objektiven Maßzahlen auf Basis betriebswirtschaftlichen Erkenntnisse. Wissen ist Macht! Dies Wissen bringt das IT-Personal jedoch nur unter gewissen Rahmenbedingungen in das Unternehmen ein und schlägt sich nicht umgehend in Planzahlen und Renditen nieder. Betrachtet man die IT nur als Kostenfaktor und die darin tätigen Menschen als "Techies" und "Freaks", die sich den Vorgaben der Unternehmensleitung permanent entziehen, dann setzt man den Unternehmenserfolg mittel und langfristig aufs Spiel. Nur wer das Human-Capital der IT-Abteilungen wertschätzt, der wird deren Leistungsfähigkeit erkennen und langfristig davon profitieren.
  (mat)