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05.05.2016

Besteuerung von Profisportvereinen

... oder warum Beachvolleyball eine Einzelsportart ist

Die folgenden Zeilen sollen zeigen, wie es der Gesetzgeber schafft, für relativ simple Sachverhalte unglaublich komplexe Regelungen zu (er)finden. Ob er das in böser Absicht tut, ist nicht bekannt, als Realsatire taugt die Regelung allemal.

Thomas Mares

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Thomas Mares

Unterhält ein Verein einen Profisportbetrieb, so soll dieser ab 2017 nicht mehr als gemeinnütziger Verein geführt werden dürfen. Der Gesetzgeber stellt dazu fest, dass Profisportvereine keine Begünstigung verdienen, da wirtschaftliche Interessen im Vordergrund stehen. Das ist begrüßenswert, da nicht einzusehen ist, dass Profivereine von der Körperschaftsteuer befreit sind und umsatzsteuerrechtliche bzw. sonstige Vorteile in Anspruch nehmen dürfen.

Lustig wird es erst, wenn man definiert, was denn so ein Profisportverein ist.

Zuerst ist zu klären, wer denn Profi, also Berufssportler ist. Nach dem Erlass ist das jeder Sportler, der im Verein mehr als Euro 21.000,00 pro Spielsaison verdient. Dabei werden monatliches Fixum, Punkteprämien, Leistungsprämien, Sachbezüge und über den Verein abgerechnete Werbeinnahmen addiert. Allerdings kann vielleicht erst am Ende der Saison genau festgestellt werden, ob es sich bei dem Sportler um einen Profi handelt, je nachdem wie die letzten Wettkämpfe ausgehen (Punkte-, Leistungsprämien).

Für die weitere Betrachtungsweise ist es allerdings wichtig, zu wissen, wie viele Profis man in seinen Reihen hat. Man hat nämlich nur dann einen Profisportbetrieb, wenn die Anzahl an einsetzbaren Profis, die in den Spielberichten von Pflichtspielen einer Spielsaison genannt werden, höher ist, als die Hälfte der in diesen Spielberichten vorgesehenen Spielern. (lesen Sie das ruhig nochmals…)

Es kommt also nicht auf die Aufstellung an, sondern ob die Spieler zur Mannschaft gehören, und das steht in den Spielberichten.

In allen Fällen, wo es von vornherein nicht völlig klar ist, ob es sich um einen Profisportbetrieb handelt oder nicht, empfiehlt sich eine genaue Dokumentation während der Saison, ob nun mehr oder weniger als die Hälfte, usw... Sonst kommt am Ende der Saison das Böse erwachen und der gesamte(!) Verein ist seine Begünstigungen los…

Es wird noch besser: Für den Fußballsport und nur für diesen, gibt es genaue Regelungen in den Vereinsrichtlinien.

Alle anderen Sportler müssen sich fragen: Üben wir eine Einzelsportart oder eine Mannschaftssportart aus? Die obigen Regeln gelten nämlich ausschließlich für "Mannschaftssport."

Einzelsportler üben Ihren Sport nämlich nie im Sinne wirtschaftlicher Interessen aus, besonders nicht Golfer, oder Tennisspieler. (Achtung Satire)

Wie unterscheiden sich nunmehr Mannschaftssportarten von Einzelsportarten? Mannschaftsspielsportarten sind solche, die ausschließlich als Mannschaft ausgeübt werden können (z.B. Fußball, Handball, (Eis)Hockey, American Football. Einzelsportarten können auch alleine ausgeübt werden und bleiben auch dann Individualsportarten wenn sie als Team, Staffel, Paar oder Doppel ausgeübt werden. Deshalb sind auch Paartanz, Tennisdoppel, Langlaufstaffel, Ruder-Doppelvierer, 470-Klasse im Segeln, Viererbob Individualsportarten. Der Viererbob ist allerdings nur deshalb eine Individualsportart, weil es tatsächlich Einerbobwettbewerbe gibt.

Und wie ist das jetzt beim Beachvolleyball? Beachvolleyball ist auch eine Einzelsportart!

Warum? Volleyball ist zwar eine Mannschaftssportart – allerdings sind zwei Personen keine Mannschaft, sondern erst drei. Und weil Beachvolleyball nur zu zweit gespielt wird, ist es eine Individualsportart. Logisch oder?

Nicht auszudenken was passieren würde, wenn man Einerbob abschafft. Dann wären die Viererbobfahrer eine Mannschaft und die Zweierbobfahrer nicht…? Aber das können Sie sich jetzt selbst überlegen!

 

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