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27.11.2016

Öffentliche Verwaltung als Trendsetter

Elektromobilität lohnt sich für Behörden und Unternehmen schon heute; von Hadi Stiel *)

Hadi Stiel

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Dirk Braun

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hält weiter an der ehrgeizigen Zielvorgabe fest. In 2020 sollen eine Million Elektroautos in Deutschland angemeldet sein. Der Zwischenstand "Ende Mai 2015" ist weniger erfreulich: gerade mal 22.000 Fahrzeuge mit Elektroantrieb. Für Dirk Braun, Projektleiter eMobility bei bridgingIT, steht fest: "Die Elektromobilität könnte in Deutschland weit schneller voranschreiten, wenn sich die öffentliche Verwaltung und Unternehmen der vielen Vorteile von E-Fahrzeugen bewusst wären." Der öffentlichen Verwaltung räumt er dafür auf allen Ebenen – Bund, Länder und Kommunen – eine Vorreiterrolle ein. Aber auch für Unternehmen würde sich der Einsatz von E-Fahrzeugen schon heute lohnen. eGovernment Computing hat Braun zum Stand der Technik befragt und inwieweit sich E-Fahrzeuge in der öffentlichen Verwaltung und in Unternehmen schon heute rechnen.

Herr Braun, bisher will die Elektromobilität in Deutschland nicht so richtig vorankommen. Geht denn Ihr Unternehmen mit gutem Beispiel voran?

Dirk Braun: Wir haben firmenintern unsere Initiative Anfang 2014 gestartet. Stand heute haben wir 22 vollelektrische Fahrzeuge (18 Tesla Model S, zwei BMW i3, einen Smart ED und einen Renault ZOE) im Einsatz. Damit sind bereits 15 Prozent unseres Fuhrparks elektrifiziert. Unsere Berater legen mit den E-Fahrzeugen zusammengenommen jährlich zirka 500.000 Kilometer zurück, auch längere Strecken. Mit diesen E-Fahrzeugen haben wir bis zum Jahresende 2015 gegenüber Fahrzeugen mit konventionellem Antrieb voraussichtlich 67 Tonnen an CO2 eingespart. Dafür wurde bridgingIT kürzlich mit dem Green Fleet Award ausgezeichnet.

Behörden und Unternehmen sehen in der geringen Reichweite der E-Fahrzeuge einen wesentlichen Hinderungsgrund, schon heute umzusteigen. Sie sehen das anders?

Braun: Ja, vor allem unsere Mitarbeiter in der Einsatzpraxis sehen das anders. Je nach Fahrweise legen sie beispielsweise mit einer Batteriefüllung des Teslas gut 350 Kilometer zurück, bevor sie wieder eine Ladestation ansteuern müssen. Jedoch ist auch der Einsatz anderer Elektrofahrzeuge heute sehr sinnvoll. Gerade in den Behörden- und Verwaltungsfuhrparks sind zum Beispiel die täglichen Fahrstrecken oft regional begrenzt und gut planbar und somit gut durch vollelektrische Fahrzeuge zurückzulegen.

Unsere bridgingIT-Initiative reicht übrigens weit über die Grenzen unseres eigenen Unternehmens hinaus. Wir arbeiten seit mehreren Jahren mit Unternehmen aus der Energie- beziehungsweise Automobilbranche zusammen. Wir sind, gemeinsam mit dem Deutschen Dialog Institut, dem VDE e.V. und mit der Begleit- und Wirkungsforschung im Schaufenster Elektromobilität, durch die Bundesministerien BMVI, BMWi, BMBF und BMUB beauftragt worden.

Wie sieht angesichts solcher vorbereitenden Initiativen die Ausgangssituation für Behörden aus, E-Fahrzeuge einzusetzen?

Braun: Der Weg dafür ist gebahnt. Durch zahlreiche Initiativen wurde bereits so viel Erfahrung im Bereich Elektromobilität gesammelt, dass auch Behörden solche Projekte ohne große Risiken aufsetzen und durchführen können. bridgingIT, beispielsweise, ist schon seit vielen Jahren in diesem Feld unterwegs. Vom Know-how und der Erfahrung, die wir seitdem gesammelt haben, können Behörden im vollen Umfang profitieren. Wir wissen als Projektierer nicht nur, dass es funktioniert, sondern auch wie es funktioniert, einen Fahrzeug-Pool in der Verwaltung intelligent zu elektrifizieren, danach über geeignete Software den Einsatz der E-Fahrzeuge effizient und effektiv zu steuern, inklusive der Ladevorgänge und eventueller Fahrzeugwechsel.

Was sollten Behörden für einen erfolgreichen Start in die E-Mobilität unbedingt beherzigen?

Braun: Das Vorhaben sollte konzeptionell durchdacht und so durchstrukturiert werden, dass der Einsatz der Behördenfahrzeuge per Software optimal koordiniert und möglichst einfach gesteuert werden kann. Fahrzeugtypen, Ladeinfrastrukturen, Ladevorgänge und Ladezeiten müssen bei diesem Projekt ebenso berücksichtigt werden wie die notwendigen Einsätze, die Verwendung und die möglicherweise nötige Bereitstellung von Alternativfahrzeugen und vor allem die IT-Lösung. Für diese Konzeption und von Anfang an klare Strukturen bis hin zur Auswahl, Koordination und Steuerung des E-Fuhrparks empfiehlt es sich, Erfahrungswerte, gegebenenfalls auch externe Daten heranzuziehen. Dadurch bewegt sich die Behörde mit ihrem IT-Projekt und später mit dem Einsatz der E-Fahrzeuge auf der Erfolgsspur.

Dennoch bleibt die Elektromobilität bisher weit hinter den gesteckten Zielen der Bundesregierung zurück, sowohl was den Einsatz beim Bund, in den Ländern und Kommunen als auch in Unternehmen betrifft. Woran liegt das? Zumal Sie das mögliche Reichweitenproblem zumindest teilweise entschärfen können.

Braun: Zugegebenermaßen, der Einsatz von E-Fahrzeugen setzt heute voraus, dass die Verantwortlichen bereit sind, bekannte Wege zu verlassen und neue, auch per Software gesteuerte Wege zu gehen, um sich den Herausforderungen zu stellen. Das gilt für die Verantwortlichen in der öffentlichen Verwaltung wie in Unternehmen gleichermaßen. Der Umstieg eröffnet jedenfalls zahlreiche Vorteile.

Ein flächendeckendes Netz von Schnellladesäulen an den Autobahnraststätten ebenso wie eine Befreiung der E-Fahrzeuge von der Kfz-Steuer ist laut Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt bereits in der Umsetzung. Für Fahrzeugflotten und -fuhrparks im öffentlichen Einsatz sind natürlich eigene Ladeinfrastrukturen auf den Betriebshöfen und in den Verwaltungen erforderlich.

Für den öffentlichen Busverkehr innerhalb der Region, den innerstädtischen Lieferverkehr und die Müllabfuhr, um nur einige Beispiele zu nennen, ist die aktuelle Reichweite der E-Fahrzeuge bereits völlig ausreichend. Ein progressiver Umstieg auf E-Fahrzeuge würde nicht nur den CO2-Ausstoß, sondern auch die Feinstaubbelastung in den Städten deutlich reduzieren. Die öffentliche Verwaltung könnte zudem mit mehr Engagement in die Elektromobilität ihr Image aufbessern und mit gutem Beispiel vorangehen, auf diese Weise als Impulsgeber die Elektromobilität in voller Marktbreite puschen.

Mehrkosten für den Einsatz von E-Fahrzeugen dürften dennoch entstehen. Wie geht Ihr Unternehmen mit den Mehrkosten um, die vor allem durch die höheren Anschaffungskosten und die Investitionen in die Ladeinfrastruktur entstehen?

Braun: Die Anschaffungskosten für Elektrofahrzeuge sind zwar aktuell noch höher als für vergleichbare Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor, aber längst nicht so viel höher wie viele meinen. Allerdings ist das Angebot an Fahrzeugen momentan noch begrenzt, andererseits können Behörden wie Unternehmen mit dem Einsatz von E-Fahrzeugen auf die Kostenbremse steigen. Die Wartungskosten mit weniger Verschleißteilen fallen deutlich geringer aus und die Garantieleistungen der Hersteller erstrecken sich aufgrund der längeren Lebensdauer dieser Fahrzeuge auf bis zu acht Jahre.

Wichtig sind neben den betriebswirtschaftlichen Aspekten die weichen positiven Effekte. Sowohl Behörden als auch Unternehmen können mit der Anschaffung und dem per IT-gesteuerten Betrieb einer E-Flotte oder eines E-Fuhrparks wie gesagt ihr Image verbessern, die Umweltauflagen erfüllen und dazu ihre eigene Innovationsbereitschaft herausstellen. Und, was ebenfalls wichtig ist: Über einen kompetenten und E-erfahrenen Full-Service-Dienstleister wie bridgingIT können Behörden wie Unternehmen die Anforderungen, die mit der softwaregestützten Einführung, Führung und Verwaltung einer E-Flotte einhergehen, genau abschätzen, anschließend professionell umsetzen, Fahrer- und Fahrzeugauswahl sowie Finanzierung, E-Flottenverwaltung und sämtliche kostenrechnerische Fakten für ein durchgehendes E-Flotten-Management inklusive. Dafür haben wir auf Basis unserer Erfahrungen ein Best-Practice-Modell entwickelt, das in drei Phasen strukturiert ist: Sensibilisierung, Konkretisierung und Implementierung. Danach können Behörden wie Unternehmen sicher sein, dass nicht nur die Flotte verlässlich und kostenoptimiert funktioniert, sondern auch die nötigen IT-Strukturen aufgebaut sind.

Können Sie näher auf das 3-Phasen-Modell eingehen?

Braun: Das ist ein strukturiertes, methodisches Vorgehensmodell, mit dem wir von der Idee bis zur Umsetzung unterstützen. Die erste Phase erstreckt sich von der Sensibilisierung über die Heranführung aller Beteiligten an die Elektromobilität über die Etappen "Skepsis", "Unentschlossenheit" und schließlich "Offenheit". Mit der Konkretisierung erstellen wir maßgeschneiderte (auch technische) Konzepte und Prozesse zur Einführung der Elektromobilität in Behörden und Unternehmen. Mit der Phase Implementierung setzen wir die Flotten- oder Fuhrparkelektrifizierung innerhalb der realen Prozesslandschaft um, dies von der Bestellung über den Betrieb bis hin zum softwaregestützten Betrieb.

Würden nicht staatliche Anreize die Elektromobilität in Deutschland puschen, wie die Niederlande und Norwegen zeigen? In Norwegen, wo der Kauf von E-Autos subventioniert wird, machen diese Fahrzeuge mittlerweile 20 Prozent der Neuzulassungen aus.

Braun: Eine Anreizpolitik in Deutschland ist wünschenswert und wird aktuell diskutiert. Dadurch würde sich die Attraktivität des E-Fahrzeugkaufs für Unternehmen weiter erhöhen, weil beispielsweise durch Abschreibung erhebliche Steuerersparnisse erzielt werden können, sofern die vertraglichen Voraussetzungen erfüllt werden.

Wie sieht es in dieser Hinsicht für Behörden aus?

Braun: Behörden sollen künftig auch profitieren. So hat sich Sigmar Gabriel, Bundesminister für Wirtschaft und Energie, in der Zeit Online für ein Beschaffungsprogramm für Bund, Länder und Kommunen ausgesprochen. Also auch für den öffentlichen Bereich sind in absehbarer Zeit spürbare Anreize abzusehen, um die Anschaffung und den Einsatz von E-Fahrzeugen stärker zu fördern. Unabhängig davon müssen Behörden und Kommunen bei der Beschaffung von Fahrzeugen neben der Wirtschaftlichkeit vor allem die Umweltkriterien in die Bewertung einbeziehen.

*) Hadi Stiel ist freier Journalist und Kommunikationsberater in Bad Camberg
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