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28.08.2017

Wenn nicht die Cloud, was ist dann die Lösung?

Wenn man bereits einmal einen Übergang von der TDM-Technik in die IP-Welt hinter sich gebracht hat, der kann sich eines gewissen Déjà-vu-Gefühls nicht erwehren, wenn er sie derzeitige Diskussion um eine On-Premises (Vor-Ort)- vs. einer Cloud-Entscheidung betrachtet.

Mathias Hein

In den vergangenen Monaten wurden in den unterschiedlichen Fachpublikationen und einschlägigen Blogs immer wieder Beiträge veröffentlicht die zum Thema hatten, dass viele Unternehmen noch nicht bereit sind ihre Kommunikationssysteme in die Cloud zu verschieben. Dieser Trend entspricht jedoch genau dem Gegenteil der von der Industrie geschürten Hype um die Cloud-Lösungen. Beispielsweise weist Nemertes Research auf eine entsprechende Umfragen hin, dass die Total Cost of Ownership (TCO) einer Cloud deutlich höher ist als bei einer entsprechenden On-Premise-Lösung: Dieser Meinung haben sich inzwischen viele weitere Experten angeschlossen.

Auch hört man von den Experten immer wieder, dass sie nicht davon überzeugt sind, dass jedes größere Unternehmen sein einzigartiges, quasi maßgeschneidertes Kommunikationssystem jemals als UC-as-a-Service (UCaaS) realisieren kann. Viele große Unternehmen bauen auch bei Umstellungen immer noch auf die Umsetzung der Kommunikationsanforderungen im eigenen Rechenzentrum.

Gegen die Realisierung der Kommunikationssysteme im eigenen Unternehmen spricht jedoch die oftmals fehlende Flexibilität dieser Systeme. Die On-Premise-Lösungen gelten als ziemlich unflexibel, zumindest in Bezug auf das Hinzufügen neuer Funktionen und der Umsetzungsgeschwindigkeit. Für Cloud-Kommunikation sprechen Fakten wie beispielsweise die Agilität – d.h. die Fähigkeit entsprechende Features, Funktionen und Benutzer schnell an neue Geschäftsanforderungen anpassen zu können.

Die Entwicklungstendenzen der Hersteller, und deren Drang alle Aktivitäten in die Cloud zu migrieren, hat natürlich auch Auswirkungen auf die Unternehmensstrukturen. Es ist davon auszugehen, dass die Hersteller ihre Investitionen nicht mehr im Bereich der On-Premise-Lösungen konzentrieren und dadurch die Bedeutung der On-Premise-Systeme abnimmt. Noch hat sich kein VoIP- und UC-Hersteller offiziell aus dem On-Premise-Segment verabschiedet, aber wir wissen nicht wohin die großen Anbieter ihre Entwicklungen steuern. Trifft man heute eine Entscheidung für eine On-Premise-Lösung, dann muss man jedoch die Zukunft eines Produkts mit im Auge behalten. Bevor wir eine so weitreichende Systementscheidung treffen, sollten wir uns auch die kommenden Entwicklungspläne (eventuell auch deren Planung für die kommenden 10 Jahre) genau unter die Lupe nehmen. Wird die UC-Plattform auch noch bis zum Jahr 2027 weiterentwickelt, wird es entsprechende Updates geben, werden die notwendigen Ersatzteile zur Verfügung stehen?

Bei der letzten großen Veränderung der Kommunikationsindustrie – beim Übergang von der TDM- auf die IP-Technologie – standen die Unternehmen vor dem gleichen Dilemma wie heute. Es mussten eine Reihe von Fragen beantwortet werden:

  • Welche Investitionen werden notwendig, um die bestehenden Kommunikationssysteme – von denen das Unternehmen momentan abhängig ist – weiter betreiben zu können?
  • Wie kann verhindert werden, dass über einen längeren Zeitraum Geld und wertvolle Ressourcen für ein auslaufendes Kommunikationssystem eingesetzt werden?

Die TDM-to-IP-Evolution gestaltete sich in der Praxis jedoch viel einfacher: Der Technikwechsel von der Telefonie über TDM zur Telefonie über IP erfolgte mit Hilfe von Gateways. Die Gateways (bzw. die IP-Einschübe die aus einer TDM-Anlage eine Hybridanlage machten) sorgte für den Schutz der bisher getätigten Investitionen und verlängerten die Lebenszeit der bestehenden Systeme um mindestens weitere fünf Jahre.

Fazit

Was macht man, wenn man seine alten Geräte – trotz eines Technologiewechsels – nicht ersetzen kann? Man wartet ab und beobachtet den Markt. Als die ersten Voice over IP Produkte im Telefonmarkt auftauchten, wurde den Kunden erzählt, dass diese Technik den Kommunikations- und das Videoconferencing revolutionieren werden. Wir beobachteten die Entwicklungen im Markt und mussten feststellen, dass sich die Kommunikation über Jahren ziemlich gleich verhielt. Aber irgendwann kommt der unvermeidliche Punkt, an dem man seine Kommunikationssysteme handeln und an die geänderten Gewohnheiten und Funktionen des Markts anpassen muss. +