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22.10.2017

Smart Mobility - Vision trifft Realität

Das Smartphone ist nun 10 Jahre alt und verändert in rasantem Tempo unser Leben. Mit seiner Hilfe lässt sich auch die Mobilität besser organisieren, allen voran der innerstädtische Verkehr. Dazu müssen sich die betroffenen Akteure zunächst an geänderte Umstände anpassen; von Christian Oldendorff *)

Christian Oldendorff

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Christian Oldendorff

Wer würde sich im Jahre 2025 noch ein Auto kaufen? Die Antwort auf diese Frage könnte in der Zukunft eine andere sein als die, zu der man heute gelangen könnte; der Vision von Volkswagen folgend, sollte bis 2021 dem Besitz des eigenen Autos ein Mobilitätskonzept gegenüberstehen, welches die Nutzung eines selbständig fahrenden und öffentlich bewirtschafteten Elektroautos als zentrales Element des städtischen Verkehrskonzepts vorsieht. Das Auto wird zum "third space", einem auf den Komfort des "Fahrers" und seiner Passagiere ausgerichteten Lebensraums. Dass in dieser Vision das Parken eine untergeordnete Rolle spielt ist deutlich - diese Art des Fahrzeuges bedarf schlichtweg keines innerstädtischen Parkplatzes, da es immer in Bewegung ist und nur in der Nacht zum Aufladen außerhalb der Stadt parkt. Tatsächlich wäre eine solche Welt wünschenswert, und ohne Zweifel sollte diese den Kern derer Zukunftsvision bilden, welche die Vordenker der zukünftigen Smart Cities skizzieren - die Luft wäre sauberer, der Verkehr fließender, der für die Bürger reservierte Stadtraum größer, sicherer und schöner. Allerdings lässt sich diese Vision ohne eine substanzielle Beschleunigung der Anpassung wichtiger Infrastrukturen (Kommunikation, E-Ladesäulen) und allem voran, einer Betonung der Wichtigkeit von Mobilität, nicht umsetzen.

Und hier liegt der Kern des Problems: Obwohl langfristig Teile der Park-Infrastruktur außerhalb der Städte entstehen könnten, wird bis zu diesem Zeitpunkt auch der innerstädtische Raum und allen voran die Park-Infrastruktur für E-Autos ausgebaut werden müssen, um die Elektromobilität anzuschieben. Wer sich derzeit auf die Suche nach einer (freien!) Elektroladesäule macht und bei der Ankunft weitere Hürden bei Anmeldung und Bezahlung erlebt, dem ist bewusst, dass Fahrern von Elektroautos mehr abverlangt wird als solchen, die nicht von Ladestrom abhängig sind.

Der Weg zu den beschriebenen Visionen ist also noch weit; bevor wir uns darauf verlassen können, dass der Verkehr sich selbstständig organisiert, müssen mehrere Zwischenschritte genommen werden. Hierzu gehört zum einen die umfängliche Erfassung des bestehenden Parkraums, zum anderen dessen maximale Nutzung. Digitale Technologien helfen bei der Erfassung, Apps bei der Kommunikation mit dem Autofahrer. Registrierung, Bezahlung und Navigation wird vom Smartphone übernommen. Zukünftig entfällt sogar die Suche: die Angabe des Zielortes reicht und die App lotst den Fahrer zum bestgelegenen/günstigsten Parkplatz. Dieser kann an der Straße liegen, im Parkhaus - oder wird von einem Nutzer gestellt, der seinen Parkplatz selber temporär nicht benötigt und vermieten möchte. Elektroladesäulen - öffentlich oder privat - können gefunden, reserviert und der Strom bezahlt werden. Möglich wäre hierbei, den Strom nicht direkt zu bezahlen, sondern als pauschalen Teilbetrag der Parkgebühr. So wird das Parken pro Stunde zwar teurer, der Fahrer des Elektrofahrzeuges erhält aber die Möglichkeit zu laden - und wird durch den vergleichsweise hohen Preis dazu angehalten, den Parkplatz nach Beendigung des Ladevorganges zügig wieder zu verlassen und für das nächste Fahrzeug freizumachen.

So bilden sich zahlreiche Möglichkeiten für Kommunen, den Verkehr zu steuern: an manchen Tagen wird das Fahraufkommen in der Stadt durch höhere Gebühren künstlich gedrosselt, an anderen Tagen wird dieses Prinzip nur auf einzelne Quartiere angewandt, an anderen gar nicht. All dies passiert in enger Abstimmung mit dem ÖPNV und anderen Mobilitätslösungen. 

Fazit

Die Regulierung des innerstädtischen Verkehrs ist eine enorme Herausforderung. Eine stärkere Verzahnung von öffentlichen und privatwirtschaftlichen Strukturen wird notwendig sein, um diese zu erreichen. Hierbei dürfen die Bürger allerdings nicht aus dem Auge verloren werden; deren Bedürfnisse müssen nicht nur am Rande wahrgenommen werden, sondern im Fokus aller Bemühungen stehen. Letztendlich liegt es an ihnen, freiwillig Teil der Vision einer smarten Stadt werden zu wollen.

In der Vergangenheit ließen sich große Veränderungen bestmöglich mit dem Hervorheben des Komfortgewinns umsetzen. Foodora liefert das Essen nach Hause, Amazon tut dieses mit allem Weiteren. Mytaxi verbindet den Nutzer mit allen Taxis in seinem Umfeld und überlässt es ihm, wie er zahlen möchte. Welcher Autofahrer wünscht sich nicht, keinen Gedanken dem Parkplatz und dessen Bezahlung oder dem Tanken widmen zu müssen?

Autor Christian Oldendorff, Mobilitätsexperte und Geschäftsführer von ParkU
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