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03.09.2017

Die steuerliche Behandlung von Bitcoins und anderen Cryptocurrencies

Der technologische Fortschritt stellt die Legistik oft vor massive Probleme, da sich technische Entwicklungen nicht so leicht in das Korsett bestehender Gesetze zwängen lassen. Und wenn dann nur unter dem Verbiegen von Begrifflichkeiten und abenteuerlichen Interpretationen.

Th. Mares

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Thomas Mares

Bei Cryptocurrencies ist die Einbindung in bestehende Steuergesetze meines Erachtens gut gelungen. Die Anwendung bereitet keine Probleme in der Praxis und kommt ohne Schöpfung neuer juristischer Tatbestände aus. Hier ein Überblick:

Bitcoins (aber auch Ethereum, Litecoin u.ä.) sind unkörperliche Wirtschaftsgüter, die zwar mit einem Finanzinstrument vergleichbar, jedoch kein Finanzinstrument sind. Sie sind jedenfalls keine Fremdwährung und kein gesetzliches(!) Zahlungsmittel (weshalb auch kein Annahmezwang besteht).

Die Verwendung von Bitcoins als Zahlungsmittel stellt daher sowohl im betrieblichen als auch im privaten Bereich ein Tauschgeschäft dar. Im außerbetrieblichen Bereich sind die Regelungen über Spekulationsgeschäfte anzuwenden. Bei Wertsteigerungen gilt: Liegt zwischen dem Tag des Ankaufes und dem Tag der Veräußerung weniger als ein Jahr, so liegen steuerpflichtige Einkünfte aus einem Spekulationsgeschäft vor. Beträgt der Zeitraum mehr als ein Jahr, so ist der Gewinn steuerfrei. Verluste aus Spekulationsgeschäften können nur mit Gewinnen aus Spekulationsgeschäften innerhalb desselben Kalenderjahres ausgeglichen, nicht aber gegen andere Gewinne verrechnet oder vorgetragen werden. Sollte es mehrere Anschaffungs- und Veräußerungsvorgänge in einem Zeitraum geben, stellt sich die Frage, welche Bitcoins (Anschaffungszeitpunkt) denn wann veräußert wurden. Antwort: Bei lückenloser Dokumentation kann der Steuerpflichtige selbst wählen, ansonsten werden immer die Ältesten zuerst veräußert.

Gibt es mehrere Anschaffungs- und Veräußerungsvorgänge, ist zu prüfen, ob nicht ein Handel mit Cryptowährungen vorliegt und damit ein Gewerbebetrieb. Sind die Voraussetzungen für die Qualifikation als Gewerbebetrieb erfüllt, sind Wertsteigerungen jedenfalls steuerpflichtig, unabhängig von der Behaltedauer. Verluste können gegen andere Einkünfte verrechnet und unter bestimmten Voraussetzungen vorgetragen werden. Kurz: Es gelten die allgemeinen Regelungen für Einkünfte aus Gewerbebetrieb. Dasselbe gilt natürlich auch für Kryptogeld, das im Betriebsvermögen gehalten wird.

Werden Bitcoins gegen die Zahlung von Zinsen verliehen, gilt folgendes:

  • Im betrieblichen Bereich besteht Steuerpflicht nach dem Tarif für Zinsen und Wertsteigerung. Im außerbetrieblichen Bereich sind die Zinsen nach Tarif zu besteuern, eine allfällige realisierte Wertsteigerung ist (auch bei einer Behaltedauer von über einem Jahr) mit dem Sondersteuersatz von 27,5 % zu versteuern.

Werden Bitcoins als Zahlungsmittel in einem Geschäft verwendet, so ist wieder der Tauschgrundsatz anwendbar. Die Veräußerung erfolgt zum gemeinen Wert der Tauschgüter. Sofern ein Umwechseln in Euro erst zu einem späteren Zeitpunkt erfolgt, ist die eventuelle Wertsteigerung erst dann zu versteuern. Im Rahmen der doppelten Buchhaltung gelten die einschlägigen Bilanzierungs-. und Bewertungsvorschriften.

Umsatzsteuerrechtlich ist das Umwechseln von Cryptocurrencies in konventionelle Währungen und umgekehrt, umsatzsteuerfrei. Kryptogeld ist somit aus umsatzsteuerrechtlicher Sicht den gesetzlichen Zahlungsmitteln gleichgestellt! Dies hat der EUGH so festgestellt.

 Quelle: Vortragsunterlagen StB: Nathalie Enzinger

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