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12.11.2017

Die Zeit ist reif für die digitale Transformation

Sobald ein Unternehmen mit der digitalen Veränderung beginnt, wird es niemals mehr dasselbe sein.

Mathias Hein

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Mathias Hein

Ihr Unternehmen spürt sicher schon den Druck sich neu in Richtung einer digitalen Transformation zu verändern. In den Medien kann man davon lesen und die Politik spricht immer öfter von der digitalen Veränderung. Aber viele mittelständische Unternehmen sind sich immer noch nicht sicher, was die digitale Transformation bringen soll oder was dessen Auswirkungen sind. Wie beginnt man eine digitale Transformation und wer sollte für ein solches Projekt im Unternehmen verantwortlich zeigen? Ein solches Projekt kann die IT- und Prozess-Ressourcen im Unternehme schnell überfordern und schnell zu einem ungewissen Ende führen.

Zu Beginn meiner IT-Karriere habe ich in Projekten gearbeitet, bei denen manuelle Prozesse in automatisierte Prozesse umgewandelt wurden. Wir haben damals die in der Nacht durchgeführten Batch-Prozesse in eine Echtzeit-Transaktionsverarbeitung umgewandelt. Diese Transformation ermöglichte es meinen Arbeitgebern, neue Arten von Dienstleistungen anzubieten, mehr über ihr Prozesse zu erfahren, die Effizienz zu steigern, Zeitverzögerungen zu reduzieren, Einblicke in die Kundenbeziehungen zu gewinnen und sogar den einen oder anderen Betrug zu erkennen. Ähnliche Fähigkeiten liefern die heutigen digitalen Transformationsprozesse.

Was bedeutet die digitale Transformation?

Die digitale Transformation bezeichnet einen fortlaufenden, in digitalen Technologien begründeten Veränderungsprozess, der insbesondere Unternehmen betrifft. Basis der digitalen Transformation sind digitale Technologien, die in einer immer schneller werdenden Folge entwickelt werden und somit den Weg für wieder neue digitale Technologien ebnen. Zu den wesentlichen Treibern der digitalen Transformation gehören die – traditionell als Informationstechnik bezeichneten – digitalen Technologien, dazu gehören die digitalen Infrastrukturen (beispielsweise: Netzwerke, Computer, PCs, etc.) und Anwendungen (beispielsweise: Apps auf Smartphones, Web-Anwendungen, etc.) sowie die auf den digitalen Technologien basierenden Verwertungspotentiale (beispielsweise digitale Geschäftsmodelle und digitale Wertschöpfungsketten).

Im engeren Sinne wird als digitale Transformation häufig der durch digitale Technologien oder darauf beruhenden Kundenerwartungen ausgelöste Veränderungsprozess innerhalb eines Unternehmens bezeichnet. Die digitale Transformation geht aber viel weiter und darüber hinaus. Sie ist ein Veränderungsprozess, der eine Vielzahl von Aspekten unserer Gesellschaft betrifft und nicht bei den Unternehmen endet.

Hauptakteure der digitalen Transformation sind Unternehmen, Individuen und Gemeinschaften, die Wissenschaften (Forschung und Lehre) sowie der Staat. Diese Akteure üben einen vielfältigen Einfluss aufeinander aus. Dieser Einfluss zeigt sich zum Beispiel dann, wenn durch neue Technologien (und der Verwendung dieser) auch Erwartungshaltungen an Unternehmen verbunden sind, diese digitalen Technologien zu adoptieren. So ist es für ein Versand-Unternehmen schwer, seine Kunden zu erreichen, wenn den Kunden keine Möglichkeit zur Verfügung steht, sich online über einen Artikel oder eine Dienstleistung zu informieren beziehungsweise diese auch zu bestellen.

Die Erwartung von Individuen, insbesondere von den vielen innovativen Mitgliedern der Gesellschaft, unter anderem den Unternehmen gegenüber, stellt selbst eine starke treibende Kraft der digitalen Transformation dar. Ein im McKinsey Quarterly veröffentlichter Artikel (The Case for Digital Transformation) besagt, dass trotz der relativ tiefen Durchdringung der digitalen Technologien in den Medien, dem Einzelhandel und dem Hightech-Bereich im Durchschnitt die gesamte Wirtschaft zu weniger als 40 Prozent bereits digitalisiert ist.

Eines Tages wird man vielleicht verwundert zurückblicken und sich wünschen, dass man die digitale Transformation des eigenen Unternehmens viel früher angefangen hätte. Der Weg in die digitale Transformation kann natürlich auch ins Verderben eines Unternehmens führen. Wie hat ein kluger Kopf gesagt: "Eine schlechte Ware bzw. ein schlechter Prozess wird durch eine digitale Transformation nicht automatisch zu einem Hit!" Die digitale Transformation erfordert die Veränderung der Geschäftsprozesse, welche wiederum die Veränderung der zugrundeliegenden Geisteshaltung erfordern. Es spielt keine Rolle, ob Ihr Unternehmen eine Non-Profit-Organisation, eine öffentliche Behörde, ein Wirtschaftsbetrieb oder jede andere Art von Organisation darstellt. Die digitale Transformation erfordert in allen Unternehmen eine gewisse unternehmerische Phantasie. Wie das Unternehmen in der Vergangenheit seine Geschäfte realisiert hat, ist eine wunderbare Geschichte, aber aus dieser lässt sich für die Zukunft nichts mehr ableiten. Auch sind die traditionellen IT-Abteilungen, die für die Umsetzung von Projekten mehrere Monate oder Jahre benötigen für einen digitalen Transformationserfolg nicht mehr richtig aufgestellt.

Sollte die Position eines sogenannten Chief Digital Officers (CDO) in ihrem Unternehmen noch nicht bestehen, dann wird es Zeit, denn diese Person entscheidet über den weiteren Werdegang der notwendigen Abteilungen und natürlich über den den Erfolg des gesamten Unternehmens.

Das Unternehmen muss die digitale Transformation als einen fortlaufenden Veränderungsprozess begreifen. Die digitalen Technologien sowie deren vielfältige Möglichkeiten und Potentiale der Verwertung und Anwendung sind die Bereitsteller der digitalen Transformation.

Die digitalen Technologien sind die Basis für die digitale Transformation. Eine Vielzahl von Fähigkeiten ist notwendig, um digitale Technologien zu erschließen. Schlüsselkompetenzen und -technologien sind zum Beispiel Software Engineering, Systems Engineering, IT-Sicherheit, Data Analytics (Big Data), Cloud Computing, usw. Die Basis für digitale Anwendungen ist die digitale Infrastruktur. Eine Vielzahl von Zugangs- und Endgeräten wie Smartphones, Tablets, Desktop-Computer und eine immer größer werdende Zahl von eingebetteten Systemen in Geräten (Maschinen, Fahrzeugen, Gebäuden, …) bilden gemeinsam mit den Netzstrukturen (drahtlos oder drahtgebunden) und den dazugehörigen Protokollen die digitale Infrastruktur. Diese bildet die Grundlage für digitale Anwendungen und schafft dadurch die Möglichkeit, Daten zwischen diesen digitalen Anwendungen austauschen, sie vernetzen zu können. Digitale Anwendungen sind Programme (Anwendungssoftware), die bestimmte Funktionen und Dienste realisieren und anbieten. Auf Basis der stark und immer stärker verbreiteten digitalen Infrastruktur (Netze und Computer-Hardware) können auch allein mittels der Software leistungsfähige und innovative digitale Anwendungen geschaffen werden (zum Beispiel Apps auf Smartphones). Durch die rein digitale Repräsentation dieser Anwendungen können diese beliebig, ohne Qualitätsverlust, vervielfältigt werden. Und natürlich sind diese weltweit zugänglich (zum Beispiel als Webanwendungen). Diese weltweite Reichweite ermöglicht eine rasche Verbreitung der digitalen Anwendungen in einem globalen Ausmaß und, abhängig von der Anwendung, ohne nennenswerte Kosten für die Vervielfältigung. Auch die (digitale) Infrastruktur wird zunehmend zur digitalen Anwendung. Cloud-Anbieter stellen in Rechenzentren beispielsweise virtuelle Maschinen zur Verfügung (Infrastructure as a Service; IaaS) die rein digital existieren. Die Verwaltung dieser rein digital vorhandenen Infrastruktur erfolgt wieder über digitale Anwendungen. Die Administration der Infrastruktur wird folglich immer häufiger eine Aufgabe von Softwareentwicklern. Diese Aufgaben wurden früher von Administratoren durchgeführt. So werden Wartungsarbeiten über digitale Anwendungen gesteuert und somit automatisiert durchgeführt.

Auf Basis der digitalen Technologien entstehen eine Vielzahl von Möglichkeiten, diese zu nutzen. Unter Verwertungspotentialen verstehen wir in der digitalen Transformation Potentiale (zum Beispiel um mit digitalen Geschäftsmodellen erfolgreich zu werden), die kurzfristig entstehen, aber auch wieder verschwinden, weil sie zum Beispiel durch neue technologische Entwicklungen wieder obsolet werden.

Die Geschäftsmodelle beschreiben die Aktivitäten, wie Unternehmen Werte schaffen können, also Kundensegmente vermitteln und die geschaffenen Werte wirtschaftlich erfassen können. Es gibt noch keine einheitliche Definition für digitale Geschäftsmodelle. In diesem Kontext sind es Geschäftsmodelle, deren wertschöpfende Aktivitäten sich auf digitale Technologien stützen. Durch den ständigen Fortschritt in den digitalen Technologien und/oder aufgrund der sich ändernden Erwartungen verändern sich auch die möglichen digitalen Geschäftsmodelle fortlaufend. Die Vernetzung von digitalen Anwendungen erlaubt die Kombination von Geschäftsmodellen und Wertschöpfungsketten über die Grenzen von Unternehmen, ja auch über die Grenzen des Staates hinaus. Es entstehen dadurch neue Netzwerke von Wertschöpfungsketten, die Geschäftsmodelle verknüpfen und so eine Wertschöpfungskette bilden, deren initiale Ausprägung nur bedingt mit den folgenden Gliedern der Kette zu tun hat. Die Kommunikation zwischen den am Wertschöpfungsnetzwerk angebundenen Organisationen geschieht dabei weitgehend automatisiert.

Veränderung ist notwendig

Nicht nur ein einziger Weg führt in die erfolgreiche Realisierung einer digitalen Transformation. Die möglichen Wege dorthin hängen davon ab, woher ein Unternehmen kommt und wo es hin will. Außerdem hängt der Erfolg von der jeweiligen Konkurrenz ab und der Wettbewerbsintensität des jeweiligen Marktsegments. Die Unternehmen müssen hierzu flexibel aufgestellt sein und müssen schnell Änderungen an den Geschäftsprozessen vornehmen können. Kleine Einzelschritte über einen längeren Zeitraum nützen wenig und behindern den Geschäftserfolg. Man muss sich von der "alten" Welt vollkommen abnabeln und über einen gewissen Zeitraum können die Umsätze und Gewinne unter diesen Änderungen leiden. Auch werden viele lieb gewonnene Prozesse durchgeschüttelt und manchmal wirkt der gesamte Transformationsprozess sehr chaotisch. Aus diesem Grund sollte man nicht die für die digitale Transformation notwendigen Fähigkeiten und Prozesse unterschätzen. Die digitale Transformation ist nicht dasselbe wie das Hinzufügen neuer Anwendungen und Infrastrukturen im Unternehmen. Die für die digitale Transformation zuständigen Verantwortlichen benötigen spezielle Fähigkeiten und spezielle Talente. Der Chief Digital Officer (CDO) sollte daher nicht für das laufende Geschäft verantwortlich sein. Der CDO sollte die notwendigen Informationstechnologien im Detail kennen und verstehen, dass das Ziel der Transformation darin besteht, auch zukünftig die gewünschten Umsätze und Gewinne zu generieren und die aktuellen Marktanteile zu verteidigen bzw. zu erhöhen. Aus den genannten Gründen handelt es sich bei einem Chief Digital Officers um einen Geschäftsmann mit exzellenten Technologie-Knowhow , und nicht umgekehrt.

Das Transformationsteam um den CDO sollte mehrere erfahrene Fachleute enthalten. Diese Gruppe sollte sich mit Rechenzentren, Anwendungen, Netzwerken und Endpunkten auskennen. Diese Gruppe experimentiert mit neuen Ideen. Da diese Gruppe Neuland betritt, können einige Ideen scheitern. Die Transformationsbudgets sollten aus diesem Grund so konzipiert sein, dass eine fehlgeschlagene Idee nicht das gesamte Transformationsgebäude zum Einsturz bringt.

Die Investitionen in digitale Technologien reichen unter Umständen nicht aus um an das gewünschte Ziel zu gelangen. Die Unternehmen müssen möglicherweise auch in andere Geschäftsbereiche (beispielsweise Recht, Vertrieb, Marketing, Inventar und Produktion) zusätzliche Mittel investieren. Durch diese zusätzlichen Investitionen verändert ihr Unternehmen nicht nur die eigenen Mitarbeiter und die Managementprozesse, sondern diese haben auch Auswirkungen auf ihre Zulieferer und Dienstleister.

Die Erfahrung lehrt, dass der gesamte Transformationsprozess in kleinere, überschaubare Einheiten aufgebrochen werden müssen. Hierzu eignen sich die im Markt verfügbaren Projektmanagementwerkzeuge. Diese bieten den Entscheidungsträgern die notwendigen Daten zur Beurteilung der Transformationsfortschritte und decken auf, an welcher Stelle die jeweiligen Umsetzungen fehlschlagen bzw. welche Abhängigkeiten eingegangen werden müssen um dien Prozessen die notwendigen Ressourcen zuweisen zu können.

Jede Veränderung im Unternehmen stößt auf interne Wiederstände. Die Mitarbeiter hassen jede Veränderung, denn jede Veränderung birgt für sie ein Risiko. Mit der digitalen Transformation bleibt auch für die Mitarbeiter kein Stein auf dem anderen. Alles wird sich im Unternehmen ändern.... auch der Umgang mit den Kunden. Aus diesem Grund muss das interne Personal auf die Veränderungen vorbereitet und mit auf die Reise in die Zukunft genommen werden. Den Mitarbeitern muss klar werden, dass es keine Rückkehr zu den alten Routinen und Gedanken mehr gibt. Aber genau in dieser Veränderung liegt die Chance für eine Zukunft in einer digitalen Welt. +