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03.12.2017

Den Körper im Blick: Gesundes Arbeiten am PC

Ergonomischer Arbeitsplatz als Wirtschaftsfaktor: Mehr als ein Drittel des Lebens verbringen wir im Durchschnitt am Arbeitsplatz, deshalb lohnt sich die Investition in eine gesunde und angenehme Arbeitsumgebung; von Carrie Schmitz *)

Mathias Hein

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Carrie Schmitz

Wie der aktuelle Fehlzeiten-Report des Wissenschaftlichen Instituts der AOK zeigt, gehören zu den häufigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeit Rücken- und Gelenkschmerzen sowie psychische Erschöpfung. Gerade moderne Wissensarbeiter verbringen viel Zeit an Computerarbeitsplätzen, wodurch sie wachsenden körperlichen Belastungen durch zu langes Sitzen und repetitive Bewegungen ausgesetzt sind. Intelligente Konzepte für eine ergonomische Arbeitsplatzgestaltung sind für Unternehmen daher ein wirtschaftlich relevanter Faktor, denn sie steigern die Motivation und Produktivität der Mitarbeiter und dienen damit der Unternehmenskultur.

Die häufigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeit sind Rücken- und Gelenkschmerzen bei den körperlichen Beschwerden (36,2 Prozent) und Erschöpfung bei den psychischen Beschwerden (23,3 Prozent), dies zeigt der aktuelle Fehlzeiten-Report des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), der in Kooperation mit der Universität Bielefeld und der Beuth Hochschule für Technik Berlin herausgegeben wird und jährlich umfassend über die Krankenstandsentwicklung in der deutschen Wirtschaft informiert. Das Ergebnis der repräsentativen Befragung von Erwerbstätigen belegte, dass verbesserte Gesundheit und die Reduktion krankheitsbedingter Fehltage mit einer positiv erlebten Unternehmenskultur einhergehen. Mehr als doppelt so häufig wurde bei negativ bewerteter Unternehmenskultur über körperliche Beschwerden berichtet (66,6 Prozent im Vergleich zu 32 Prozent bei guter Unternehmenskultur). Darüber hinaus hatte nahezu jeder Dritte (31 Prozent) mehr als zwei Wochen pro Jahr im Betrieb gefehlt. 

Eine angenehme und gesunde Arbeitsplatzgestaltung ist für den Arbeitgeber daher heutzutage zu einem entscheidenden Wirtschaftsfaktor und Wettbewerbsvorteil geworden, da diese im wechselseitigen Verhältnis zu einer guten Unternehmenskultur und in Konsequenz der Leistungsfähigkeit und Motivation seiner Mitarbeiter steht.  Unternehmen, die für Komfort am Arbeitsplatz sorgen, vermitteln ihren Angestellten das Gefühl der Wertschätzung. Darüber hinaus reduziert ein ergonomisch gestalteter Arbeitsplatz entscheidend das Risiko von Belastungsschäden der Muskeln, Gelenke, Sehnen und Nerven (Repetitive-Strain-Injury-Syndrom) sowie einer Berufsunfähigkeit durch Stress, wodurch Unternehmen einen wichtigen Beitrag zu präventivem Arbeitsschutz, Arbeitssicherheit und nicht zuletzt zur eigenen Wirtschaftlichkeit leisten. 

Dynamisches Trio: Körperhaltung, Bewegung, Erholungspausen

Ziel der Ergonomie ist stets die optimale Anpassung von Arbeitsumgebung und Arbeitsgeräten an die menschlichen Bedürfnisse, im Fokus steht daher, wie wir mit möglichst geringer Anstrengung ein qualitativ hochwertiges Arbeitsergebnis erreichen können. Komponenten wie angenehme Raum-, Licht- und Akustikverhältnisse fördern maßgeblich die Konzentration und optimieren dadurch die Arbeitsabläufe. Darüber hinaus wirkt sich die Beschaffenheit und Funktionalität von Arbeitsgeräten und Mobiliar entscheidend auf die Gesundheit und das körperliche Wohlbefinden aus. Zugleich sollten Unternehmen auch das Bewusstsein der Mitarbeiter für eine gesunde Arbeitsweise aktiv gefördert werden. 

Gesundes Arbeiten am Computer basiert zunächst auf einer einfachen Regel: Den eigenen Körper im Blick zu behalten. Daraus lassen sich drei simple Bausteine ableiten: Natürliche Körperhaltung, gezielte Bewegung und regelmäßige kurze Ruhepausen. Die ideale Körperhaltung fühlt sich dabei stets absolut natürlich und bequem an, da hier der Energieaufwand gering bleibt, wodurch Stress und physische Belastung für den Körper reduziert werden. Um eine natürliche und lockere Haltung zu erreichen, sollte sich die Bürogestaltung daher stets an die Bedürfnisse des Nutzers anpassen lassen können. Darüber hinaus beugt gezielte Bewegung Ermüdungserscheinungen und Verkrampfungen vor und verbessert die Durchblutung. Wichtig sind daher regelmäßiges Aufstehen, Strecken von Rücken und Armen sowie Handgelenk- und Handübungen. Kurze Pausen sorgen zudem für mehr Energie und Konzentration. Auch eine Erholung der Augen sollte man sich gönnen: Ideale Entspannung ist das Fokussieren auf einen Gegenstand, der mehr als sieben Meter entfernt ist, zum Beispiel beim Blick aus dem Fenster.

Ergonomische Helfer für mehr körperliche Abwechslung

Je benutzerfreundlicher Arbeitsgeräte und Mobiliar, desto gesünder die Arbeitsbedingungen, deshalb sollten sich Bürostuhl, Schreibtisch sowie Monitor- und Tastaturposition individuell auf jeden Mitarbeiter ausrichten lassen. Dabei ist zu beachten, dass selbst bei korrekter Einstellung des Computerarbeitsplatzes Muskeln ermüden, wenn man zu lange in der gleichen Position arbeitet, deshalb bleibt körperliche Abwechslung besonders wichtig. Ergonomische Bürostühle sollten daher horizontal und vertikal individuell eingerichtet und je nach Situation angepasst werden können, Schreibtische einfache Höhenverstellung sowie eine kippbare Tischplatte bieten. Zudem ist es empfehlenswert, turnusmäßig vom Sitz-Arbeitsplatz zum Arbeiten im Stehen am Stehtisch zu wechseln. Praktisch sind hierfür Tische, die sich flexibel zum Steharbeitsplatz umwandelt lassen.

Eine weitere Unterstützung sind flexibel verstellbare Monitor-Halterungen, mit denen sich der Bildschirm einfach schwenken, kippen, drehen und anheben lässt, denn dessen richtige Platzierung verringert Ermüdung der Augen, Arme sowie des Schulter- und Nackenbereichs. Die Höhe des Bildschirms sollte so eingestellt werden, dass dessen Oberkante sich knapp unterhalb der eigenen Augenhöhe befindet. Beim Blick auf die Mitte des Bildschirms sollten die Augen leicht nach unten schauen. Für den Abstand des Monitors gilt als gute Faustregel circa eine Armlänge. Auch sollten Blendeffekte durch Fenster oder Deckenlicht vermieden werden. Ideal ist zudem eine Bildschirmneigung von circa 10 bis 20 Grad, so bleibt der Abstand zwischen Augen und Monitor beim Lesen von oben nach unten stets gleich. Eine ergonomische Maus und Tastatur verhindern darüber hinaus Anspannungen der Handgelenke und Finger.

Ergonomische Produkte sind aus der modernen Büroplanung kaum noch wegzudenken, zugleich können Mitarbeiter durch die Beachtung einfacher Regeln den eigenen Arbeitsalltag gesünder und angenehmer gestalten, was durch Unternehmen aktiv unterstützt werden sollte. Mit wenigen Mitteln lassen sich so bereits große Veränderungen erzielen, die für mehr Wohlbefinden und in Konsequenz für qualitativ hochwertige Arbeitsergebnisse zu sorgen.

*) Die Autorin, Carrie Schmitz, ist Ergonomie und Research Manager bei Ergotron +